krankheitsbewältigung

Warum Krankheitsbewältigung?

Wichtige Ziele für Patienten mit chronischen Erkrankungen bestehen darin, die eigene Krankheit akzeptieren zu lernen, den eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung zu verbessern, informierte Entscheidungen treffen zu können und die eigenen Probleme selbst managen zu können.

Krankheitsbewältigung umfasst dabei verschiedene Aspekte der Auseinandersetzung mit den Problemen und Beeinträchtigungen, die im Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten. Die einzelnen Puzzleteile des Schaubildes sollen das verdeutlichen.

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Krankheitsbewältigung

Krankheitsbewältigung: Compliance

Compliance umschreibt das Verhalten eines Patienten in Bezug auf die Entscheidungsfindung und Umsetzung der Behandlung.

Man unterscheidet eine eher paternalistische Haltung, bei der die Entscheidungsfindung dem Arzt vorbehalten bleibt. Für diese Form der Arzt-Patient-Kooperation spricht, dass der Arzt aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung die besseren medizinischen Kenntnisse besitzt und daher qualifiziertere Entscheidungen treffen kann. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch die Patienten wichtige Informationen besitzen, die in den Entscheidungsprozess mit eingehen sollten. Diese betreffen insbesondere Beobachtungen über die Symptome (Häufigkeit, Stärke, Veränderungen), die Wirkung von Therapien (auch Nebenwirkungen), die eigene private und berufliche Situation, die Konsequenz mit der Therapien eingehalten werden sowie mögliche andere Einflussfaktoren auf den Behandlungserfolg. Daher ist eine aktive Mitwirkung der Patienten an der Entscheidungsfindung und an der Durchführung der Behandlung anzustreben (shared decision making).

Um ein möglichst gutes Einverständnis und eine solide Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit auf Arzt-Patient-Ebene zu erreichen ist es notwendig, dem Arzt die notwendigen Informationen zukommen zu lassen und ihn insbesondere über Veränderungen zu informieren. Die teilweise recht heftigen Nebenwirkungen und der langwierige, wechselnde Verlauf der Endometriose führen bei den betroffenen Frauen nicht selten zu Therapieabbrüchen (Abbruch der Einnahme von hormonellen Medikamenten) oder zur Verweigerung bestimmter Therapien. Hier ist es unbedingt erforderlich, den Arzt in die Entscheidung einzubeziehen und die Gründe ausführlich darzulegen. Nur dann wird es möglich sein, eine andere Therapieoption gemeinsam zu erarbeiten. Non-Compliance (fehlende Kooperation mit den Arzt-Empfehlungen) kann ein Grund für eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs sein.
Die Endometriose erfordert, dass Arzt und Patientin in einen gemeinsamen Lernprozess eintreten. Therapeutische Niederlagen müssen daher auch gemeinsame verarbeitet werden. Dabei ist sowohl auf Seiten der Patientin wie auch dem Arzt viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz gefordert und die Behandlungsziele müssen immer wieder neu definiert werden.

Krankheitsbewältigung: Empowerment

Das Einsatzziel von Empowerment (befähigen) sind komplexe Situationen, die von vielen Faktoren beeinflusst werden. Das trifft auf Frauen mit Endometriose in besonderer Weise zu, da sie nicht nur auf organischer Ebene betroffen sind, sondern auch starke psychische und emotionale Beeinträchtigungen erleiden, indem sie im Beruf, im Privatleben, in der Partnerschaft und in der Erfüllung ihres Kinderwunsches behindert werden. Im Rahmen des Empowerment sollen die Patienten die Befähigung erlangen, Strategien für erfolgreiche Lösungsansätze der vielfältigen Probleme zu entwickeln.
Spezielle Ziele sind dabei z.B. Schmerzreduktion, Vermeidung des Auftretens von Rezidiven, Umsetzung von Therapiemaßnahmen mit einer langfristigen Perspektive, Kinderwunschbehandlung, Erhalt des Arbeitsplatzes und Reduzierung von Arbeitsunfähigkeitszeiten, Verminderung von Ängsten und Erschöpfungszuständen, Reduzierung von Nebenwirkungen, Bewältigung des Alltags und Vorbeugen von depressiven Verstimmungen.

Krankheitsbewältigung: Selbstmanagement

Selbstmanagement ist definiert als die Fähigkeit einer Person selbstständig die eigenen Probleme zu managen und Strategien zu entwickeln. Voraussetzung dafür sind umfassende und gesicherte Informationen, kompetente medizinische Betreuung, angemessene psychologische Betreuung, emotionale Unterstützung und Zuwendung, praktische Hilfen im Alltag sowie Unterstützung im Beruf. Dabei wird die Patientin – zusammen mit den Ärzten, die sie als Ratgeber begleiten – zur Managerin ihrer eigenen Gesundheit. Das bedeutet jedoch auch, dass sie selber aktiv werden muss, um die für sie jeweils angemessene Behandlung und Unterstützung zu finden. Die Komplexität der Endometriose und der daraus resultierenden Beeinträchtigungen bringt es mit sich, dass es kein allgemeines Therapieschema gibt, das für alle Frauen gleichermaßen zutrifft. Die Behandlungen müssen den medizinischen Notwendigkeiten und der jeweiligen privaten und beruflichen Situation der Frau angepasst werden.

Als wichtige Voraussetzungen zum erfolgreichen Umgang mit der Endometriose (Selbstmanagement) können festgehalten werden:

  • angemessene Informationen
  • kompetente medizinische Beratung
  • angemessene psychologische Bertreuung
  • emotionale Unterstützung, Zuwendung
  • praktische Hilfen im Alltag
  • Unterstützung im Beruf

Krankheitsbewältigung: Informationen

Informationen sind ein wichtiger Baustein in der Auseinandersetzung mit der Erkrankung. Allerdings muss sich die Patientin in der Regel aktiv um die Informationsbeschaffung bemühen. Bislang ist eine unaufgeforderte umfassende Patienteninformation – wie sie z.B. in bestimmten Programmen anderer Erkrankungen üblich ist – im Zusammenhang mit der Endometriose nicht zu erwarten. Wichtige Informationsquellen sind neben dem behandelnden Arzt auch das Internet, Bücher, Zeitschriften, Medien, Berufs-Verbände und Vereinigungen des Gesundheitssystems, Krankenkassen, Ärztekammern, Selbsthilfe, Patientenstellen usw. Bei den Informationsquellen ist immer auf die Vertrauenswürdigkeit zu achten, insbesondere im Internet ist die Verbreitung erwünschter und unerwünschter Informationen sehr einfach. Bitte achten Sie darauf, keine personenbezogenen Informationen über sich selbst ins Internet zu stellen.

Aufgrund der veränderten Lebenssituation kann es erforderlich sein, die eigene Lebensperspektive zu überdenken und neue Ziele oder Lebensinhalte für die individuelle Situation zu finden.

 

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