Psychosomatische Therapie und Endometriose

Psychosomatische Therapie

Unterschiedliche Faktoren können eine psychosomatische Therapie notwendig machen. Die Endometriose ist geprägt durch Unwissenheit ( „Menstruationsbeschwerden sind normal“), Verharmlosung („Überempfindlichkeit“), Vorurteilen („Krebs der Karrierefrau“), Fehlurteilen („Frau kann sich nicht mit ihrer Weiblichkeit identifizieren“) und dem Problem eines Tabu-Themas.

Auf Seiten der medizinischen Versorgung wird die Erkrankung begleitet durch eine oftmals langwierige Diagnostik mit häufig verzögerter Diagnosestellung und vorausgegangenen Fehldiagnosen, eine hohe Chronizität sowie langwierige und unregelmäßige Verläufe mit wechselnden Befindlichkeiten, eine schlechte Prognose und dem Fortschreiten der Erkrankung, dem Fehlen eines kausalen Therapieansatzes und den teilweise eingreifenden Nebenwirkungen der zur Verfügung stehenden Ansätze, der schlechten Verfügbarkeit von spezialisierten Behandlungsangeboten sowie fehlenden Informationen und Desinformationen. Das alles kann zu Enttäuschung und Frustration führen. Die Komplexität der Krankheit zeigt sich in der schwierigen Diagnose, der Therapie und den Folgen auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene. Das erfordert von den betroffenen Frauen eine Auseinandersetzung mit vielfältigen Belastungen wie starken wiederkehrenden Schmerzzuständen, Wechseljahresbeschwerden, ungewollter Kinderlosigkeit, sexuellen Störungen und möglicherweise Organverlust. Es wundert nicht, dass sich die Frauen mit Behandlungsabbrüchen, Ängsten, depressiven Verstimmungen und sozialem Rückzug reagieren.

Hier setzen Angebote zur psychologischen Begleitung an. Ziel ist es, hilfreiche Strategien zur Verbesserung der Krankheitsverarbeitung zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbesserung der Schmerzbewältigung als dem Leitsymptom der Endometriose. Ansatzpunkte sind zum einen Entspannungsverfahren als wirksame Therapie bei den häufig schmerzbedingten Verspannungen der Muskulatur auf körperlicher Ebene und zum anderen Übungen, die die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen auf psychologischer Ebene verändern. Als wirksame Entspannungstechniken gelten z. B. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen und Atemtechniken. Andere psychologische Verfahren beruhen eher auf der aktiven Wahrnehmungslenkung (Ablenkung) wie Tagräume, Hobbies nachgehen, Spazieren gehen, lesen etc. oder Vorstellungsübungen als gedankliche Fantasiereisen oder Imaginationsübungen. Grundsätzlich gilt, dass Schmerzen keine Einbildung sind. Das Schmerzerleben ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und kann durch bewusst angewandte Techniken oder Übungen beeinflusst werden. Verhaltensweisen, die den Schmerz begünstigen sind kritisch zu hinterfragen:

  • Stressverhalten: hoher Anspruch, Misserfolgsbefürchtungen
  • Ärgerverhalten: anhaltende Spannung
  • Hilflosigkeitsverhalten: Verharren in Passivität, Interessenlosigkeit
  • Abhängigkeitsverhalten: Medikamente und Alkohol zur Stimmungsaufhellung
  • Vermeidungsverhalten: Schonhaltung, steigende Schmerzempfindlichkeit
  • Panikverhalten: unangemessen Beobachtung körperlicher Vorgänge
  • Empfindlichkeitsverhalten: gegenüber anderen Menschen. sozialer Rückzug.

Psychologische Schmerzbewältigung zielt darauf, die Beeinträchtigung durch die Schmerzen zu verringern und damit evt. auch den Schmerzmittelkonsum zu reduzieren, das Allgemeinbefinden zu steigern und einen besseren Umgang mit der Krankheit zu erlernen. Darüber hinaus bietet eine Psychotherapie auch die Möglichkeit Belastungen auf Ebene der Partnerschaft zu bewältigen und bei der Auseinandersetzung mit ungewollter Kinderlosigkeit.

 

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