studie zu krankheitskosten

Studie zu Krankheitskosten bei Endometriose

Ausgehend von der Annahme, dass die ökonomische Bedeutung der Endometriose unterschätzt wird, wurde eine Krankheitskostenstudie durchgeführt. Ziel war die Ermittlung der Kosten als Grundlage für eine Abschätzung der krankheitsbedingten volkswirtschaftlichen Belastung aus Perspektive der Gesamtgesellschaft.

Die Datenerhebung erfolgte auf Patientenebene mittels eines sechsseitigen Fragebogens mit Items zur Demographie, Lebensqualität (SF-12), zu Leistungsinanspruchnahmen und zur beruflichen Situation. Die Untersuchung umfasste zwei Studienpopulationen: (a) Mitgliedsfrauen der Endometriose-Vereinigung e. V.; (b) Patientinnen einer stationären Rehabilitation.

Insgesamt konnten 736 Fragebögen ausgewertet werden, davon 479 Fragebögen (65 %) von den Mitgliedsfrauen der Endometriose-Vereinigung e. V. und 257 Fragebögen (35 %) von den Rehabilitandinnen. Im Durchschnitt waren die Frauen etwas über 36 Jahre alt (Standardabweichung 6,2 Jahre) und zu 75 % berufstätig. Zwei Drittel der Frauen (n=506) waren kinderlos, wobei 56 % als Grund die Endometriose angaben. Die überwiegende Mehrheit (55 %) der Frauen gab an, an einer schweren Endometriose zu leiden, das heißt der Schweregrad wurde bei Stadium III (mäßige Endometriose, 20 %) oder IV (schwere Endometriose, 35 %) eingestuft. Inwieweit diese Frage von den Frauen als richtig beantwortet wurde, kann nicht beurteilt werden, zumal der hohe Anteil an Missings (34 %) auf Unkenntnisse in Bezug auf die Krankheitsschwere hinweist. Die durchschnittliche Krankheitsdauer belief sich in dieser Studienpopulation auf sechs Jahre, wobei rund sieben Jahre vom Auftreten erster Symptome bis zur endgültigen Diagnosestellung vergingen.

Die durchschnittlichen Kosten pro Fall betrugen 5.622€, wobei die indirekten Kosten mit einem Anteil von 62 % dominierten.

Studie zu Krankheitskosten
Studie zu Krankheitskosten

Als wesentliche Kostentreiber konnten die Kosten für Arbeitsunfähigkeit (49 % der Gesamtkosten) und die Kosten für stationäre Krankenhausaufenthalte (31 %) identifiziert werden. Eine Hochrechnung der Kosten auf Bundesebene ergab Gesamtkosten in Höhe von 1,96 Mrd. € für das Jahr 2003.
Für eine detailliertere Analyse der Kosten wurden verschiedene Subgruppen (auf Fallebene und auf Kostenebene) gebildet. Zunächst wurden auf Fallebene jeweils die 10 % der Fälle mit den höchsten bzw. den niedrigsten Kosten ermittelt: Dabei verursachten die teuersten Fälle (n=74) insgesamt 42 % der Gesamtkosten. Am wichtigsten waren hier die überdurchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitszeiten (durchschnittlich 25 Wochen in den betrachteten 12 Monaten). Die indirekten Kosten machten hier 72 % der Gesamtkosten aus und lagen damit deutlich über dem Durchschnitt der gesamten Studienpopulation, der bei 62 % lag. Die Subgruppe mit den niedrigsten Kosten (n=74) verursachte nur 0,01 % der Gesamtkosten.

Die Auswertung auf Kostenebene zeigte, dass die Kosten von nur 12 Frauen bereits 10 % der Gesamtkosten erreichten. Auch in dieser Subgruppe lagen die indirekten Kosten mit 83 % (Arbeitsausfall mit 79 % der Gesamtkosten) deutlich über dem entsprechenden Anteil der gesamten Studienpopulation.

In einer weiteren Subgruppenanalyse wurden die Kosten in Abhängigkeit vom Alter untersucht. Im Ergebnis zeigten sich dabei abnehmende Kosten mit steigendem Alter. Signifikante Unterschiede (<0,001 bis 0,033) bestanden zwischen der Gruppe mit den jüngsten Frauen (20-29 Jahre) im Vergleich zu den drei anderen Gruppen (30-39 Jahre, 40-49 Jahre, 50 Jahre und älter). Die überdurchschnittlich hohen Gesamtkosten der jungen Frauen von 7.869 € pro Fall waren insbesondere durch hohe direkte Kosten aus stationären Aufenthalten und durch hohe indirekte Kosten aufgrund von Arbeitsausfall bedingt. Im Unterschied dazu hatten in der ältesten Fallgruppe die Kosten aus Erwerbsminderungsrente einen bedeutenden Anteil mit über einem Drittel (37 %) der Gesamtkosten.

Die vorliegende Untersuchung ist ein erster Ansatz zur Abschätzung der ökonomischen Bedeutung der Endometriose in Deutschland. Die ermittelten Daten zeigen, dass diese Krankheit zum einen hohe Kosten für medizinische Leistungen durch Inanspruchnahmen von Operationen und Hormonbehandlungen verursacht. Zum anderen kommt es aufgrund des chronischen Krankheitsverlaufs mit immer wiederkehrenden Schmerz- und Erschöpfungszuständen zu erheblichen Produktivitätsverlusten. Die vorliegenden Ergebnisse belegen die hohe gesellschaftliche Belastung insbesondere aus den indirekten Kosten.

Im Hinblick auf die Ergebnisse muss einschränkend festgehalten werden, dass es sich bei der eingeschlossenen Studienpopulation um zwei selektive Gruppen handelt, für die eine besondere Krankheitsschwere anzunehmen ist. So ist davon auszugehen, dass die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfevereinigung einen gewissen Leidensdruck voraussetzt und aufgrund der Selbstselektion in der Endometriose-Vereinigung e. V. tendenziell Patientinnen mit schwereren Krankheitsverläufen organisiert sind. Die Gruppe der Rehabilitandinnen ist dadurch gekennzeichnet, dass die Bewilligung einer Rehabilitationsmaßnahme im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung eine Operation voraussetzt bzw. im Rahmen eines Heilverfahrens eine Gefährdung der Erwerbsfähigkeit vorliegen muss. In beiden Fällen ist der Rehamaßnahme – im Zusammenhang mit einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs oder eines akuten Ereignisses – eine Phase intensiver medizinischer Versorgung vorausgegangen. Inwieweit neben dem geschilderten Selektionsbias noch ein Antwortbias – Frauen mit höherem Leidensdruck sind evtl. eher bereit, sich an einer Studie zu beteiligen – vorliegt, kann nicht geklärt werden. Insgesamt ist für beide Zielgruppen davon auszugehen, dass die hier vorgestellten Inanspruchnahmen in Bezug auf eine repräsentative Population eher überschätzt sind.

Aufgrund des geringen Durchschnittsalters bei Frauen mit Endometriose ist der dauerhafte Erhalt der Erwerbsfähigkeit von besonderer Relevanz. Bei Auftreten der Erkrankung stehen viele der betroffenen Frauen noch ganz am Anfang ihres beruflichen Weges, sodass gesundheitliche Beeinträchtigungen gravierende Nachteile zur Folge haben können. Häufige und lange Arbeitsausfallzeiten belasten zudem das Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis und bergen die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes. Durch eine intensive medizinische Betreuung mit dem Ziel größtmöglicher Beschwerdefreiheit sollte diese Gefahr abgefangen werden. In diesem Sinne sind individuelle Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten zu finden, die das Ziel verfolgen, die Lebenssituation der Patientinnen so zu verbessern, dass diese in ihren beruflichen Tätigkeiten weniger Einschränkungen erfahren müssen.

Schlussfolgerung: Die Endometriose stellt mit Kosten in Höhe von 1,96 Mrd. € auch aus ökonomischer Sicht ein nicht zu vernachlässigendes Krankheitsbild dar. Insbesondere die hohen Arbeitsausfallzeiten sind unter dem Aspekt des möglichen Arbeitsplatzverlustes bei dieser jungen Population (Durchschnittsalter 36,7 Jahre) ein wichtiger Grund für intensive medizinische Betreuung mit dem Ziel größtmöglicher Beschwerdefreiheit.

 

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